Sakaguchi,
Kiyomi
Kiyomi Sakaguchi - Neue Arbeiten
TENN-Everything and Nothing-
Wenn man mich fragt, an welches Bild in der Kindheit ich mich erinnere, so antworte ich: Stille, Schweigen, Dunkelheit und ein in die Dunkelheit hereinscheinender Lichtstrahl. Ein leiser Duft von der grünen Natur prägt auch meine Kindheit.
Die Tatsache, daß ich in Nara, wo ein Reichtum von der traditionellen japanischen Architektur und von wunderbaren buddhistischen Skulpturen vorhanden ist, geboren und aufgewachsen bin, hat große Einflüsse auf meinen künstlerischen Werdegang ausgeübt. Die Mysterie, daß diese Figuren nicht nur die ihr Volumgen sprengende Kraft und die geistige Stärke, sondern auch vielfältige Emotionen der Menschen beinhalten, war und ist für mich zweifellos der Motor, mich mit der Skulptur zu beschäftigen.
In dieser Ausstellung geht es mir genau um die gesitige Stärke, die physikalische Materialien überwindet, und um die Botschaft an Menschen. Mein Interesse wendet sich an etwas Unsichbares, Geheiminisvolles. Ich erkunde durch das skulpturale Schaffen das Leben und das Atmen des Universums. Nach diesem Schaffensprozeß gelangte ich zu zwei Worten: „TENN“ und „Everything and Nothing“. „TENN“ steht für einen festen Entschluß, „Everything and Nothing“ etwa für eine Atempause.
Das Wort „TENN“ läßt sich schwer übersetzen. Heißt es den Zenit? Oder das Himmelsgewölbe? Oder eine unsichtbare Erscheinung? Die künstlerische Arbeit ist für mich eine Botschaft über Zeit und Raum. „TENN“ als metaphysische Kraft, so würde ich formulieren, ließe sie erhoffen, eine zeit- und raumlose Existenz zu sein.
In der Ausstellung wird „TENN“ als 12 topfförmige Objekte im Galerieraum existieren. Hier spielt eine östliche Denkweise eine Rolle. „Ko (Topf) Chu (in) Ten (Himmel)“ – dieser chinesische Spruch bedeutet, daß auch im Topf Universum existiert, und liegt meinem Gedanken über „Everything and Nothing“ nah. Die Installation von 12 Skulpturen in einem Kreis ist ein Versuch, mit dem im Osten geläufigen Duodezimalsystem in der Galerie einen Weltraum zu schaffen. Die von Stacheldraht gebundenen Objekte suchen, indem sie ihre eigene Gestalt verändern, nach einer Bresche. Ihre Oberfläche ist noch rauh.
In der Ausstellung werden insgesamt 25 Skulpturen und Reliefe gezeitgt. Außerdem sind 20 Tuschzeichnungen auf Japanpapier zu sehen. Images, die beim Schaffen von skulpturalen Arbeiten entstehen, sind mit Tusch auf Japanpapier festgehalten worden. Einige Zeichnungen haben Entsprechungen mit den Skulpturen, aber einige tragen zur Erweiterung meines Images bei. Durch die zeichnerische Arbeit wird meine imaginäre Kraft freigesetzt.
Günther Uecker nahm mich auf und betreute mich, als ich mich als Stipendiatin der japanischen „Agency for Cultural Affairs“ in Düsseldorf aufhielt. Die Begegnung mit diesem großartigen Künstler von Weltrang und seine Kreativität haben mir viele Anregungen gegeben. Zur Zeit wohne und arbeite ich im städtischen Atelier in der Himmelgeister Straße in Düsseldorf. In dieser Zeit habe ich eine Tuschzeichnung “TENN – For Uecker“ als Hommage an ihn gemacht, die auch in der Ausstellung gezeigt wird.
In Japan habe ich bisher viele Arbeiten im öffentlichen Raum realisiert. Die Arbeit mit dem Titel „Ishi-Butai“ (Steinbühne), die ich im Auftrag des städitschen Wohnungsamtes Tokyo gemacht habe, ist ein Monument in einem Park im Stadtteil Nerima und hat ein Gewicht von 21 Tonnen. Es war so gedacht, daß Kinder auf diesen Stein klettern und dort spielen. Als ich zur Einweihung kam, sah ich viele Kinder mit voller Freude spielen. In diesem Augenblick lief wie ein Blitz ein Traum von der Zeit- und Raumachse durch mich.
Das Schaffen ist wie ein Sieb, das mühsam Goldsand schöpft. Oder wie eine Antenne, die sich in das endlose Universum streckt.
Kiyomi SAKAGUCHI
28th Feb.2009
Übersetzung: Akiko Yamashita
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